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So
01.07
Einlass 19:00 Uhr
Beginn 20:00 Uhr
Eintritt 19,-
Schüler/ Studenten 14,-

Der Gott des Gemetzels

Theater


Yasmina Reza
Der Gott des Gemetzels
in bairischer Sprache

mit Sebastian Edtbauer, Ina Meling, Cornelia Pollak, Matthias Ransberger

Regie Johannes Rieder

Sehr geehrte Yasmina Reza,

wir haben beim Verlag um die Rechte für eine bairische Übersetzung Ihres Stückes Der Gott des Gemetzels angefragt, dort wurde uns jedoch mitgeteilt, dass Sie jede Mundartübersetzung Ihrer Texte untersagen würden. Also haben wir unseren Plan blutenden Herzens wieder verworfen und nach anderen Stücken gesucht, mit denen wir allerdings nicht glücklich wurden.
Nach langem hin und her haben wir uns nun entschieden, Ihnen in einem persönlichen Brief unser Anliegen genauer zu erklären.
Mit der bairischen Übersetzung des Stückes stoßen zwei Theaterkulturen aufeinander: Das zeitgenössische Sprechtheater hat ein tête à tête mit dem Volkstheater. Der bairische Dialekt wird als Bühnensprache seit jeher in einem traditionellen Rahmen benutzt. Da die Kultur des Bayrischen stark und die Berührungsangst mit dem modernen Sprechtheater aus diversen Gründen groß ist, existieren beide Kulturen, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, nebeneinander. Der Gott des Gemetzels in bairischer Übersetzung wäre das verschlagene uneheliche Kind von einem Seitensprung dieser beiden Kulturen.
Die Konversationskomödie bleibt erhalten, aber es wird eine Französisch-Bayrische. Der Dialekt ist so genau und intelligent, dass die Figuren nie in die Nähe des Lederhosenklischees rücken, sondern sich irgendwo zwischen Paris und Trostberg treffen: Bayern ist Paris und Paris ist Bayern. Das ist zum Teil beruhigend und zum Teil verstörend, auf jeden Fall ist es eine einfache aber mächtige Behauptung. Mit den gängigen Klischees von gemütlicher Tradition in Lederhosen kommt man dabei nicht weit. Wollen wir auch nicht, denn diese Klischees sind bestens bekannt. Klischees eben. Die Bayrischen Figuren sind wie ihre Pariser Zwillinge in der modernen Welt beheimatet.
Es geht uns nicht darum, Ihr Stück für eine zotig-bayrische Schenkelklopfkomödie zu missbrauchen. Im Gegenteil. Das Schmale, Hintergründige und Boshafte bleibt in der bairischen Übersetzung vollständig erhalten. Die Rauheit der bairischen Sprache verleiht den Figuren jedoch eine Wirkung, der man sich kaum entziehen kann und es würde uns sehr freuen, wenn Sie uns erlauben würden, den Gott des Gemetzels in bairischer Übersetzung aufzuführen.

Viele Grüße,

Johannes Rieder & Sebastian Edtbauer

© Foto: Markus Wagner Fotografie